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Alt 21.02.2016, 13:13   #11
Beitrag Mobiles Bezahlen kommt in Deutschland nur schleppend voran

Deutschland diskutiert eine Obergrenze für Bargeldzahlungen - doch Alternativen wie das mobile Bezahlen per Smartphone oder Computer-Uhr sind bei den meisten Bundesbürgern nach wie vor unpopulär.

Nur jeder Dritte (30 Prozent) bezahlt auf diesem Weg bereits bargeldlos, wie eine repräsentative Umfrage der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC ergab.

Immerhin zeigt die Tendenz leicht nach oben bei kontaktlosen Zahlungen per NFC-Nahfunk. Bei der Vorgängerumfrage vor gut einem halben Jahr hatten nur 25 Prozent der Befragten angegeben, schon einmal kontaktlos bezahlt zu haben - etwa das Flug- oder Bahnticket oder die Hotelrechnung. Kontaktlos bedeutet, dass der Kunde seine EC- oder Kreditkarte nicht in ein Gerät einschieben muss, sondern sie nur an ein spezielles Lesegerät hält. Bei geringen Beträgen ist nicht einmal die Eingabe der Geheimnummer (PIN) nötig.

Wenn man an der Laden-Kasse per Smartphone zahlt, kommt oft auch die NFC-Technik zum Einsatz. Einige Anbieter setzen aber auch auf das Einscannen von Strichcodes vom Bildschirm des Mobiltelefons.

Befürworter schwärmen, die neuen Techniken beschleunigten das Einkaufen, Geldbewegungen seien direkt auf dem Handy nachvollziehbar. Ein Drittel (36 Prozent) der Befragten, die noch nie mobil bezahlt haben, wollen dieses Bezahlverfahren künftig nutzen.

Doch die Mehrheit der Deutschen bremst vor allem die Angst vor dem Klau sensibler Daten. Generell sehen der Umfrage zufolge fast neun von zehn Deutschen (85 Prozent) die Gefahr, dass bei mobilen Bezahlverfahren Daten gehackt und missbraucht werden könnten.

Bei einem Teil der Bevölkerung beißen Banken, Sparkassen und Kreditkartenanbieter mit ihren technischen Neuerungen gänzlich auf Granit: Jeder vierte (24 Prozent) sagt, er zahle grundsätzlich lieber mit Bargeld und werde das auch künftig tun. Allerdings rechnen immerhin 30 Prozent der Deutschen damit, dass es Schein und Münze in zehn Jahren nicht mehr geben wird und somit nur noch mit EC-, Kreditarten- oder mobil per Smartphone bezahlt wird.
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Alt 11.03.2016, 18:08   #12
Beitrag Anti-Bargeld-Connection

Anti-Bargeld-Connection? Was meint ihr zum Thema?

Der Vorstoß von EZB und der Bundesregierung, eine Bargeldobergrenze bei 5000 Euro einzuziehen, steht in unmittelbarem Zusammenhang mit dem aktuellen Zinsszenario, behaupte ich hier einmal! Finanzminister Wolfgang Schäuble brachte ein Limit von 5000 Euro für Bargeldzahlungen ins Spiel. Dafür konnte er sich Anfang Februar in Paris Unterstützung abholen. Zudem wird in der EZB über die Abschaffung des 500-Euro-Scheins nachgedacht...

Der erste Vorstoß von Geldpolitikern, Bargeldzahlungen zurückzudrängen, reicht bis ins Jahr 2007 zurück. Zur Erinnerung: Lehman Brothers ging ein Jahr später pleite. Italien führte Ende des Jahres unter Regierungsschef Mario Prodi, der gleichzeitig Berater der US-Bank Goldman Sachs war, und dem Finanzminister Tommasa Padoa-Schippa, einem ehemaligen EZB-Direktor, eine sehr hohe Barzahlungsgrenze von 12.500 Euro ein. Damals war ein gewisser Mario Draghi Chef der Bank von Italien.

Erst 2011 wieder, unter Regierungschef Mario Monti, einem weiteren Goldman-Sachs-Berater "besserte" das schuldengeplagte Land nach. Die Obergrenze für Bargeldverkehr in Italien wurde drastisch auf 1000 Euro gesenkt. Draghi, immer noch als Chef der Bank von Italien, hätte die EZB eigentlich auf diese Maßnahme hinweisen müssen, hielt es aber offenbar nicht für nötig. Danach ging es Schlag auf Schlag: 2012 erließ ein Land nach dem anderen Bargeldverbote - alle wurden von der EZB durchgewunken. Zu dem Zeitpunkt war Mario Draghi bereits oberster Währungshüter des Euro. So ein Zufall aber auch!

Tatsache ist, Bargeld wird seit Jahren nahezu unbemerkt zurückgedrängt. In Frankreich dürfen Rechnungen bei Käufen von Konsumgütern seit 2015 nur noch mit 1000 Euro in bar bezahlt werden. Dänemark will Gesetze erlassen, die Geschäftsinhaber von kleinen Geschäften, Tankstellen und Restaurants von der Pflicht befreien, Münzen und Scheine zu akzeptieren. Auch in Deutschland weigern sich inzwischen Behörden, Bargeld anzunehmen.

Offenbar laufen viele Fäden in einem exklusiven Club zusammen: Draghi, Summers und Rogoff sind langjährige Mitglieder der sogenannten Group of 30, eine Gruppe von hochkarätigen Bankmanagern aus den größten internationalen Banken und Hedgefonds, die sich hinter verschlossenen Türen mit den wichtigsten Zentralbankern treffen... Dürfen die das???

Im Januar in Davos, bei einem seiner seltenen öffentlichen Auftritte, äußerte sich erstmals ein Bankchef aus Deutschland zum Thema: Deutsche-Bank-Chef John Cryan outete sich als vehementer Bargeld-Skeptiker und prophezeite, in zehn Jahren wäre es wahrscheinlich nicht mehr existieren. Die Zuhörer waren perplex.

Für die Annahme, dass eine konzertierte Aktion im Gange ist, dafür lieferte auch Summers Munition. Er haute wenige Tage später in die gleiche Kerbe wie die EZB, indem er vorschlug, den 100-Dollar-Schein abzuschaffen. Wenn das alles Zufall sein soll und nicht abgestimmt, dann würde mich das doch sehr wundern.

Terrorismusbekämpfung und Geldwäsche als Argumente sind vorgeschoben. Ein Beweis dafür: Nach den Anschlägen von 9/11 Anfang des neuen Jahrtausends kam keiner auf die Idee, den Bargeldverkehr zu drosseln.
 
Alt 13.03.2016, 08:01   #13
Muss ich leider auch so sehen, obwohl ich sonst Verschwöhrungstheorien skeptisch gegenüber stehe. Hier ist aber auch die "Abschaffung" der Zinsen bzw. die Tendenz zu Negativzinsen im Zusammenhang zu sehen. Wenn dann das Bargeld abgeschafft wird, ist der Enteignung und Kontrolle keine Grenze mehr gesetzt.
Wie wahr: Geld ist gedruckte oder geprägte Freiheit und wer Gold hat hat immer Geld. Wird also demnächst auch an einem Goldverbot zu arbeiten sein?

Bin auf weitere Meinungen gespannt
 
Alt 26.03.2016, 14:42   #14
Beitrag Petition gegen Bargeldverbot

»Ein vollelektronisches Geldsystem – völlig transparent, ohne jeglichen Schutz der Privatsphäre bei Transaktionen und mit dem ständigen Risiko einer Enteignung durch den Staat – bedeutet, dass Geld kein privates Eigentum mehr sein wird. Der Weg in die Hölle ist mit guten Absichten gepflastert.« Andreas Höfert, im Oktober 2015 verst. Chef-Ökonom der UBS.

*

Offiziell soll es zwar kein Verbot, aber womöglich eine Beschränkung von Bargeld geben. Doch Kritiker sehen darin nur die erste Hürde auf dem Weg zu einem kompletten Bargeldverbot. Jetzt nimmt der Widerstand gegen die Abschaffung von Bargeld Gestalt an.

Seitdem die Initiative "http://stop-bargeldverbot.de/" mit der Webseite volkspetition.org (https://www.volkspetition.org/petiti...erbot-stoppen/) zusammen arbeitet, konnten bis dato bereits fast 103.000 Unterschriften gegen ein mögliches Bargeldverbot gesammelt werden. Die Zahl steigt jedoch minütlich, wie auf der entsprechenden Unterzeichnerseite der Initiative zu beobachten ist.


Über Stop Bargeldverbot...

...Wir sind eine Initiative für die Menschen dieses Landes und über seine Grenzen hinaus, für Alle, denen Freiheit als ein hohes Gut gilt, das es zu verteidigen gilt. Dazu gehört auch das Bargeld, denn "Bargeld ist geprägte Freiheit" (Dostojewski). Wir sind parteiunabhängig und nur dem konsequenten Einsatz für die Freiheit verpflichtet. Unser Ziel ist die Zusammenführung unterschiedlicher, ideologiefreier PRO BARGELD Initiativen in Deutschland, Europa und über den Kontinent hinaus.

Geändert von lurelee (26.03.2016 um 14:45 Uhr)
 
Alt 27.03.2016, 13:19   #15
Sehr gut !!!
 
Alt 20.02.2017, 20:08   #16
Beitrag EU prüft Zahlungs-Obergrenze

Die EU-Kommission erwägt europaweite Begrenzungen für Bargeld-Zahlungen. Die Idee steckt noch in einem frühen Stadium, doch vor allem in Deutschland regt sich Widerstand. Kritiker fürchten ein Ende für Münzen und Scheine - mit weitreichenden Folgen.

Die Idee der EU-Kommission wirkt unscheinbar - doch sie könnte es in sich haben: "Barzahlungen sind bei der Terrorfinanzierung weit verbreitet", heißt es in einem Aktionsplan der Brüsseler Behörde. Daher lohne es, über Obergrenzen für Bargeld-Geschäfte nachzudenken. Nachdem die EU-Finanzminister die Kommission bereits im vergangenen Jahr beauftragt hatten, die Notwendigkeit dafür zu prüfen, kommt nun Bewegung in die Sache. Jüngst startete Brüssel eine Analyse zur Folgenabschätzung, in deren Rahmen aus verschiedensten Teilen Europas Rückmeldungen eingeholt werden. "Die Kommission geht gerade der Frage nach, ob Regelungen bei hohen Bargeld-Zahlungen auf EU-Ebene notwendig sind", sagt ein Sprecher.

In einer Reihe von Ländern gibt es bereits derartige Grenzen, auch für eine europaweit einheitliche Maßgabe gibt es einige Zustimmung. Doch vor allem in Deutschland hält sich die Begeisterung in Grenzen. "Bargeld muss bleiben!", erklärt etwa der Präsident des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft (BVMW), Mario Ohoven. "Eine Obergrenze für Bargeldgeschäfte wäre der erste Schritt auf dem Schleichweg zur völligen Abschaffung von Scheinen und Münzen." Und mit dieser Abschaffung sieht er jede Menge negative Folgen verbunden. "Kein Bargeld bedeutet totale staatliche Kontrolle", meint Ohoven. "Unter dem Vorwand, Kriminalität und Terrorismus zu bekämpfen, strebt die EU-Kommission den gläsernen Bürger an." Ohoven weiß dabei zumindest einen nicht unbeachtlichen Teil der deutschen Bevölkerung hinter sich.

Studien zufolge nimmt zwar etwa das mobile Zahlen per Smartphone auch in der Bundesrepublik zu. Doch im Gegensatz zu beispielsweise skandinavischen Ländern, in denen längst regelmäßig mit Karte oder per Smartphone-App bezahlt wird, sind Schein und Münze in Deutschland nach wie vor populär. Einer Studie der Bundesbank zufolge wurden 2014 79 Prozent der Zahlungen hierzulande in bar abgewickelt. "Ich halte von den Überlegungen der Kommission zur Festlegung einheitlicher Obergrenzen für Bargeldzahlungen rein gar nichts", sagt auch der CSU-Europaabgeordnete Markus Ferber.



"Niemand hat die Absicht..."


Die Bundesregierung ist sich der Brisanz bewusst: "Niemand hat die Absicht...", erklärte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble sichtlich genervt im vergangenen Jahr nach einem Treffen mit seinen europäischen Amtskollegen in Brüssel. Die historisch belastete Formulierung brachte der CDU-Mann nicht zu Ende - DDR-Staats- und Parteichef Walter Ulbricht hatte den Satz 1961 mit Blick auf einen möglichen Mauerbau zwischen West- und Ostberlin ähnlich formuliert.

Aber der Bundesfinanzminister meint es ernst: Für eine einheitliche Regelung von Bargeld-Obergrenzen spreche eine Menge, meint er. Jedoch: Niemand wolle begrenzen, wie viel Bargeld die Leute besitzen dürften. Und um die komplette Abschaffung von Scheinen und Münzen gehe es erst recht nicht. Die Bundesregierung hält eine Barzahlungs-Grenze von 5000 Euro für sinnvoll. "Es gibt da eine hysterische Grundhaltung in Deutschland", meint auch der Grünen-Europaabgeordnete Sven Giegold. "Nur weil eine Grenze diskutiert wird, kommt noch keine Bargeld-Abschaffung."

Die Debatte gewann zudem an Fahrt, als die Europäische Zentralbank (EZB) ankündigte, den 500-Euro-Schein bis 2018 aus dem Verkehr zu ziehen und die Ausgabe zu stoppen. Denn Banknoten fallen in die alleinige Kompetenz der Zentralbank. "Diese Initiative sollte in Verbindung mit der EZB-Entscheidung gesehen werden", heißt es nun auch in dem jüngsten Kommissions-Schreiben zu den Bargeld-Grenzen - und liefert damit den Kritikern weitere Munition.

Bei den EU-Finanzministern dürfte die Diskussion in absehbarer Zeit auch wieder aufschlagen. Im März wird die EU-Kommission zunächst noch umfassende öffentliche Konsultationen starten - die nächste Gelegenheit für Kritiker und Befürworter, sich zu äußern.
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Alt 24.11.2017, 13:46   #17
Beitrag Deutsche sind Bargeldkönige der Eurozone

In Deutschland haben die Bürger laut einer Studie der Europäischen Zentralbank (EZB) so viel Bargeld in der Brieftasche wie in keinem anderen Land der Eurozone.
Im Jahr 2016 trugen die Deutschen im Schnitt 103 Euro bei sich - im Mittel der Euroländer waren es nur 65 Euro. Auf den weiteren Plätzen folgen Luxemburg (102 Euro) und Österreich (89). Am wenigsten Bargeld im Portemonnaie haben Portugiesen (29), Franzosen (32) und Letten (41).
Auch bei Barzahlungen an der Kasse liegen die Deutschen in der Währungsunion weit vorne - wenn auch nicht an der Spitze. 80 Prozent der Transaktionen werden hierzulande in Cash bezahlt. Noch mehr sind es etwa in Malta (92 Prozent), Zypern (88) und Spanien (87).

Es gebe ein Gefälle zwischen den «cashtreuen» südlichen Ländern der Eurozone, Deutschland, Österreich und Slowenien einerseits sowie den nördlichen Ländern Finnland und Estland sowie den Niederlanden andererseits, heißt es in dem EZB-Papier. So wurden in den Niederlanden nur 45 Prozent der Zahlungen an der Kasse in bar abgewickelt. Ähnlich wenig waren es in Estland (48) und Finnland (54).
Trotz der Ausbreitung von bargeldlosen Verfahren bleibe Cash das dominierende Zahlungsmittel, stellt die Notenbank fest. Im Schnitt der Eurozone seien 79 Prozent aller Transaktionen an Verkaufsstellen in bar bezahlt worden, Kartenzahlungen folgten mit 19 Prozent mit großem Abstand. «Das scheint die Wahrnehmung in Frage zu stellen, dass Cash schnell von bargeldlosen Zahlverfahren ersetzt wird», so die EZB.
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Alt 15.04.2018, 11:53   #18
Beitrag Geldautomaten verschwinden langsam

Der Geldautomat verliert im deutschen Alltagsleben langsam, aber unaufhaltsam an Bedeutung. Nachdem die Banken über Jahrzehnte mehrere tausend neue Geräte pro Jahr installiert haben, sind die Zahlen zuletzt geschrumpft. Nach Angaben der Deutschen Kreditwirtschaft - des Dachverbands der deutschen Banken - gab es Ende 2017 noch knapp 58.400 Geldautomaten in Deutschland. Der Höhepunkt sei 2015 mit 61.100 Maschinen überschritten worden.

Ursachen sind Digitalisierung und Kostendruck. "Wir haben die Daumenregel, dass das Betreiben eines Geldautomaten in etwa zwischen 20.000 und 25.000 Euro im Jahr kostet", sagt Jürgen Gros, Chef des Bayerischen Genossenschaftsverbands, zu dem die Volks- und Raiffeisenbanken gehören. "Das muss auch verdient werden. Dauerhaft ist Zuschießen kein Geschäftsmodell." Damit ist der jahrzehntelange Siegeszug einer Maschine beendet, die aus dem Alltag noch nicht wegzudenken ist.

Der erste deutsche Geldautomat ging 1968 in Tübingen in Betrieb, 1994 waren es dann bundesweit 29.400. Bis 2015 verdoppelte sich die Zahl, doch allein von 2016 auf 2017 wurden 1600 Automaten wieder abgebaut. Das heißt jedoch keineswegs, dass es inzwischen weniger Gelegenheiten zum Geldabheben geben würde. Die Automaten verlieren an Bedeutung, weil einerseits der Onlinehandel blüht und andererseits immer mehr Angebote gibt, Geld an der Ladenkasse abzuheben.

Auch das dürfte aber nur eine vorübergehende Erscheinung sein. Der Münchner Bezahldienstleister Wirecard glaubt, dass in absehbarer Zukunft die komplette Infrastruktur des Bezahlens über das Handy organisiert wird. Für Einzelhändler sei Barzahlung mit Kosten verbunden - allein deswegen, weil die Einnahmen zur Bank befördert werden müssen.

Anders als in Deutschland ist Zahlen per App in China bereits Alltag - eine Entwicklung, die sich nach Einschätzung vieler Fachleute auch hierzulande verbreiten wird. "Einzelhändler rechnen durch den Service mit einem Mehreinkauf an Waren und reduzieren nebenher den Bargeldbestand in den Kassen, der mit erheblichen Kosten verbunden ist", sagt Markus Eichinger von Wirecard. "Zwar finden heutzutage weltweit immer noch rund 85 Prozent aller Transaktionen unter Verwendung von Bargeld statt, doch das Potenzial für hiesige, rein digitale Payment-Lösungen wie boon, Orange Cash oder Allianz Prime ist sehr groß."

Nicht nur hohe Betriebskosten und der technische Fortschritt haben ihren Anteil daran, dass Banken allmählich die Lust am Automaten vergeht, sondern auch Kriminelle. "Die Anschläge auf Geldautomaten treiben die Kosten für die Versicherungen beziehungsweise für die Wiederinstandsetzung der Geräte und der gegebenenfalls zerstörten Umgebung tendenziell in die Höhe", sagt ein Sprecher der Deutschen Kreditwirtschaft in Berlin. Ganz verschwinden würden die Automaten nach Einschätzung der Banken in absehbarer Zeit nicht, doch erwarte die Branche einen weiteren Rückgang: "Die deutsche Kreditwirtschaft geht davon aus, dass die Zahl der Geldautomaten in den kommenden Jahren weiterhin leicht rückläufig sein wird."

***

Den Einkaufskorb im Supermarkt per Smartphone bezahlen, den Cappuccino im Café per App und Restaurants, in denen Bargeld längst verboten ist: Was viele Bundesbürger für Zukunftsmusik halten oder vehement ablehnen, ist vielerorts schon Wirklichkeit. Gerade in Skandinavien, angelsächsischen Staaten oder den Schwellenländern wächst das bargeldlose Zahlen rasant.

In Indien etwa werde das digitale Bezahlen 2022 Scheine und Münzen ablösen, sagt die Beratungsgesellschaft BCG voraus. Und Deutsche-Bank-Chef John Cryan hat eine andere "Zahlungsfrist" für Bargeld vor Augen: Binnen zehn Jahren werde es verschwinden, da es "fürchterlich teuer und ineffizient" sei.

Doch die Deutschen lieben Bargeld. Als der damalige Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) Obergrenzen für Bares gegen Kriminalität ins Spiel brachte, schlugen die Wellen hoch. Einige fürchteten gleich die Abschaffung - allen Dementis zum Trotz.

In kaum einer anderen Nation wird so gerne mit Münzen und Scheinen bezahlt wie in Deutschland. Nur rund jede zwanzigste Zahlung werde hierzulande per Kreditkarte abgewickelt, so die Beratungsfirma Barkow Consulting. Statistisch gesehen lagere jeder Bundesbürger 2200 Euro im Sparstrumpf, sagt Firmengründer Peter Barkow. Die Angst vor Dieben schreckt offenbar kaum ab. Und laut einer Studie der Europäischen Zentralbank (EZB) trugen die Deutschen 2016 im Schnitt 103 Euro im Geldbeutel mit sich - im Mittel der Eurozone waren es nur 65.

Wegen der Liebe zum Cash hinkt Deutschland auch beim bargeldlosen Zahlen hinterher. Zwischen 2010 und 2016 stiegen die bargeldlosen Zahlungen nur um 7 Prozent der Transaktionen pro Kopf, wie jüngst eine Studie von BCG zeigte. Damit zähle Deutschland selbst in der Gruppe der "Cash-Loyalisten" zu den Nachzüglern nach Portugal (9,8 Prozent) und Österreich (8,2). Nur Italien und Spanien liegen noch weiter hinten.

"Restaurantbesuche und Lebensmittel werden in Deutschland mehr als doppelt so oft bar bezahlt wie im europäischen Durchschnitt", sagt BCG-Experte Holger Sachse. Zudem hätten viele Verbraucher Bedenken bei neuen Verfahren. "Nur ein Viertel der Verbraucher glaubt, dass bargeldlose Zahlungen sicher sind", erklärt er.

Dass sich das bargeldlose Zahlen in der Breite noch nicht durchsetzt, liegt aber nicht nur an den Verbrauchern. Viele Restaurants oder Geschäfte akzeptieren nur Bargeld, und im Handel mangelt es oft an Terminals zum bargeldlosen Zahlen. So kommen hierzulande auf einen Geldautomaten 13 Terminals für bargeldloses Zahlen, zeigt eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft. In Schweden sind es 91.

Dass die Deutschen gleichwohl neue Zahlverfahren skeptisch beäugen, zeigt die ernüchternde Bilanz von Paydirekt. Mit dem Zahldienst wollten deutsche Banken dem US-Konkurrenten Paypal im boomenden Online-Handel entgegentreten. Nutzer können Rechnungen beim Einkauf im Netz direkt vom Konto begleichen, ohne Datenweitergabe an Dritte. Doch Paydirekt kommt nur langsam voran: Rund zwei Jahre nach dem Start zählt der Dienst 1,6 Millionen Kunden, während Paypal auf 19 Millionen kommt. Auch stehen Paydirekt-Kunden erst 20 Prozent der wichtigsten Online-Händler in Deutschland offen.

"Paydirekt ist ein typisches Beispiel dafür, dass Banken einem Markt hinterher rennen, der längst verteilt ist", sagt Berater Barkow. Die Geldhäuser hätten den Aufstieg von Paypal unterschätzt und müssten nun viel Geld und Energie investieren, um hinterherzukommen.

Schon bald könnte indes ein mächtiger Konkurrent den Markt betreten. Apple will in Deutschland unbestätigten Berichten zufolge bald einen eigenen Zahldienst einführen. Damit könnten Verbraucher ihr Smartphone wie einen digitalen Geldbeutel nutzen, um mit hinterlegten Kontodaten in Geschäften, Taxis oder im Internet zu zahlen. Es könnte ein Auslöser sein, um das Bargeld-Land Deutschland zu verändern.
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Alt 15.04.2018, 14:24   #19
Ich finde, dass dieser Trend nicht für den Endverbraucher ist. Bei 10% meiner Einkäufe erlebe ich, dass der Preis in der Kasse höher ist als am Regal. Bei der neuen Technologie habe ich fast keine Chance, die Preistreiberei rechtzeitig zu erkennen. Ich schiebe den Einkaufskorb am Moneyrecycler vorbei, bezahle und wunder mich hinterher über die Preise. Durch die schnelle Erfassung habe ich keine Chance, die Preise zu checken.
Ich schlucke und ärger mich.
Medimarkt hat elektronische Preisanzeigen am Regal. Für den Markt schön und gut. Für mich als Kunde Scheiße (Sorry für das Wort), weil ich schon erlebt habe, dass der Preis vom Regal zur Kasse angehoben wurde. Dank RFID-Etiketten erkennt man, dass ein Artikel aus dem Regal genommen wurde, die Nachfrage also steigt und ich mehr bezahlen darf. Gucke ich auf mein Smartphone, sehe das der onlinepreis geringer ist und muß mit dem Verkäufer verhandeln. aber wer macht das.
Zusätzlich bekommt der Verkäufer einen Mehrwert. Er kann jeden Einkauf personalisieren. So ein personalisierter Datensatz wird inzwischen gehandelt, wozu auch Payback und Deutschlandcard dienen.
Wo ist mein Nutzen und wo ist der Nutzen für den Anbieter?
 
Alt 15.04.2018, 14:40   #20
Beitrag Trend weg vom Bargeld

Zitat:
Zitat von der Notnagel Beitrag anzeigen
Ich finde, dass dieser Trend nicht für den Endverbraucher ist.
Noch hat der Endverbraucher die Wahl, wo er kaufen und sein Bargeld oder die gläsern machenden neuen Methoden zur Bezahlung nutzt.

Ich ziehe Bargeld allemal vor, doch was nutzt es, wenn man dann seine Kundenkarte vom Laden oder Bonuskarten nutzt?
 

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