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Alt 18.05.2015, 17:50   #1
Beitrag Abschaffung des Bargelds?

Top-Ökonomen haben sich für eine Abschaffung des Bargelds ausgesprochen. «Bei den heutigen technischen Möglichkeiten sind Münzen und Geldscheine tatsächlich ein Anachronismus», sagte der Wirtschaftsweise Peter Bofinger dem Nachrichtenmagazin «Spiegel».

Bofinger sagte weiter, falle das Bargeld weg, könnten die Märkte für Schwarzarbeit und Drogen ausgetrocknet werden. Der Volkswirtschaftsprofessor forderte die Bundesregierung auf, auf internationaler Ebene für eine Abschaffung des Bargelds zu werben. «Das wäre jedenfalls ein gutes Thema für die Agenda des G-7-Gipfels in Elmau.»

Der ehemalige Chefvolkswirt des Internationalen Währungsfonds, Rogoff, sprach sich im «Handelsblatt» dafür aus, als ersten Schritt nur noch die kleineren Banknotenstückelungen herauszugeben. «Ein sehr großer Anteil der negativen Begleiterscheinung der Bargeldnutzung hängt mit den großen Scheinen zusammen. Wenn man aufhört, diese auszugeben, dann hat man schon sehr viel erreicht.» Zur Begründung führte er an, die Anonymität von Bargeld werde gern für illegale Transaktionen genutzt oder um Steuern zu hinterziehen.

Daneben gebe es geldpolitische Erwägungen: «Wenn die Geldhalter auf zinsloses Bargeld ausweichen können, dann kann die Zentralbank den Leitzins nicht allzu weit unter Null senken, selbst wenn das sinnvoll wäre, um eine lahmende Wirtschaft wieder in Gang zu bringen.»


Meine persönliche Meinung:

Bargeld ist Freiheit. Kein Bargeld ist TOTALE UNFREIHEIT, ist Totalitarismus pur.

Im Fall des Bargeldverbotes wird auf die Schwarzarbeit, den Bankraub sowie den persönlichen Überfall auf Bürger mit Portemonnaies verwiesen und natürlich auf eine strukturierte und viel besser ausbalancierte Geldpolitik der Zentralbank. Nichts davon ist als Argument zu gebrauchen!

Schwarzarbeit findet nicht wegen Bargeld statt, sondern wegen illegaler Umgehung von Sozialgesetzen. Bankraub findet so gut wie keiner mehr statt, weil keine großen Geldmengen mehr bei den Banken vorrätig sind. Und der Überfall auf Personen wegen vermeintlichen Bargeldsummen ist statistisch so gut wie nicht nachweisbar.

Bleibt die verbesserte Geldpolitik der Zentralbanken – und genau das ist der allergrößte Betrug: es existiert keine Geldpolitik der Zentralbank zur optimalen Versorgung der Banken und Firmen sowie Bürgern.

Seit Gründung der EZB als Zentralbank des Euro-Systems und des Euro-Raums ist eine strukturierte Versorgung des Marktes aufgehoben worden zugunsten der riskanten Finanzierung und Verschuldung globaler Spekulanten, maroder, nicht ertragsfähiger Staaten sowie Refinanzierung über den IWF respektive das Dollar-System.


Welche Meinung vertretet ihr?
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Alt 19.05.2015, 12:56   #2
Die Sache mit der Freiheit sehe ich relativ. Eigentlich ist unser heutiges Geld ja eigentlich nur das Versprechen, dass das Metall und das Papier den aufgedruckten bzw. aufgeprägten Wert besitzt. Zudem ist der Wert des Geldes - auch des Bargeldes - ja von der Politik der Zentralbanken abhängig. Die Geldpolitik sorgt im Endeffekt dafür, dass es zu keiner Inflation oder Deflation kommt. Insofern ist die Freiheit durch das Versprechen der Notenbanken eingeschränkt.

Andererseits besteht die Freiheit darin, dass ich selbst entscheide, wie ich eine Ware und eine Dienstleistung zahle - bar oder mit Karte. Wenn ich 10.000 Euro in Scheinen unter dem Bett verstecke, ist es auch meine Sache. Niemand wird es mitbekommen. Insofern verspricht Bargeld doch eine gewisse Freiheit, nur ist das ganze nicht gänzlich unabhängig von Banken und Politik.

Deshalb interessiere ich mich auch so sehr für werthaltige Münzen (in letzter Zeit wieder stärker, deshalb bin ich auch wieder aktiv hier). Edelmetalle haben Ihre Eigenschaft als Wertspeicher und Parallelwährungen seit dem Ende des klassischen Goldstandards eigentlich nie verloren. Die heutigen Gold- und Silbermünzen beweisen das. Sie sagen: Ein Wert auf einem physischen Zahlungsmittel muss immer auch mit einem echten, sprich anerkannten Wert verbunden sein. Ansonsten gibt es kein Vertrauen.

Im Hinblick auf Schwarzarbeit und Bankraub gebe ich dir natürlich vollkommen recht.
 
Alt 19.05.2015, 16:20   #3
Beitrag

Zitat:
Zitat von lurelee Beitrag anzeigen
Meine persönliche Meinung:

Bargeld ist Freiheit. Kein Bargeld ist TOTALE UNFREIHEIT, ist Totalitarismus pur.


Ich meinte mit Freiheit etwas anderes: Wenn ich Bargeld habe, kann ich kaufen, wo, wann, was ich will. Ohne Bargeld werde ich sofort "gläsern"!

Wer sammelt und überwacht meine persönlichen Daten per Kartenzahlung oder dergleichen, wenn es kein Bargeld mehr gibt?

Die NSA, der BND oder andere "Organisationen" wissen schon genug über persönliche Dinge... (Telefon, Internetnutzung, E-Mails usw.)
 
Alt 20.05.2015, 09:23   #4
Zitat:
Zitat von Pfennigfuchser Beitrag anzeigen
...
Im Hinblick auf Schwarzarbeit und Bankraub gebe ich dir natürlich vollkommen recht.
Ich stimme Dir völlig zu, was den Unterschied zwischen Papiergeld (Versprechen) und werthaltigem Münzen betrifft. Das Papiergeld benötigt man natürlich zum unabhängigen Bezahlen auch und das Buchgeld für notwendige Überweisungen. Plastikkarten natürlich auch für die Unabhängigkeit, wer will schon immer eine Matte Scheine dabei haben.

Wie immer, auf die Mischung kommt es an.

Nun zum Zitat, lasst Euch nicht diesem Totschlag-Argument unterkriegen.
Das ist doch genauso wie, wer nichts Böses macht braucht auch keine Angst vor Überwachung zu haben.

Das ist der Weg zum totalitärem Staat. Also (Zitat davor) Bargeld ist Freiheit ...
 
Alt 20.05.2015, 10:56   #5
Zitat:
Zitat von lurelee Beitrag anzeigen
Ich meinte mit Freiheit etwas anderes: Wenn ich Bargeld habe, kann ich kaufen, wo, wann, was ich will. Ohne Bargeld werde ich sofort "gläsern"!

Dann sind wir so gut wie einer Meinung. Wollte nur ein bisschen rumphilosophieren
 
Alt 22.05.2015, 15:44   #6
Beitrag Bargeldverbot in der EU

Wie weit das Bargeldverbot in der EU schon fortgeschritten ist, möchte ich hier zusammenfassen:

• Bulgarien: Einführung einer Obergrenze für Bargeld-Transaktionen in Planung
• Dänemark: Einführung einer Obergrenze für Bargeld-Transaktionen in Planung (ca. 6.700 Euro)
• Frankreich: Obergrenze aktiv bei 3.000 Euro, soll auf 1.000 Euro gesenkt werden
• Griechenland: Obergrenze aktiv bei 1.500 Euro.
• Italien: Obergrenze aktiv bei 1.000 Euro.
• Spanien: Obergrenze aktiv bei 2.500 Euro.
• Schweden: Planung und teils bereits umgesetzt, die totale Abschaffung von Bargeld!
• Großbritannien: Umtausch von 500 Euro Scheinen in Pfund ist verboten!

Das sich dieser Trend umkehrt, ist unwahrscheinlich. Wahrscheinlich ist hingegen, dass immer mehr Länder sich die Vorreiter zum Vorbild nehmen und ebenfalls zuerst Obergrenzen einführen, um diese dann im nächsten Schritt komplett abzuschaffen.
 
Alt 08.06.2015, 20:48   #7
Beitrag Bundesbank hält an Bargeld fest

Carl-Ludwig Thiele, Vorstandsmitglied der Bundesbank, stellte in einem Redetext klar, dass Restriktionen der Bargeldhaltung von der Bundesbank abgelehnt werden. Er räumte ein, dass viele Verbraucher wegen der niedrigen Zinsen verunsichert seien und nach Konsequenzen suchten. Eine Möglichkeit, die aktuell diskutiert wird: Bürger könnten damit beginnen, ihre Rücklagen von der Bank abzuheben und in großem Umfang in Scheine und Münzen umzuschichten. Die Bundesbank hält diese Reaktion für möglich, wenn die Banken negative Zinsen auf ihre Kunden abwälzen.

Derzeit sieht die Bundesbank keinen Grund dazu, Bargeld in Deutschland abzuschaffen. Ohnehin würden Verbraucher derzeit nicht in großem Umfang ihr Geld nach Hause holen, das Bezahlen mit Münzen und Geldscheinen ist weiterhin in der Bevölkerung beliebt. Allerdings nimmt die Bedeutung von bargeldlosen Bezahlformen auch in Deutschland zu. Die Bundesbank verhält sich daher offiziell neutral: "Jeder sollte bezahlen können, wie er will", unterstrich Thiele in seiner Rede.

Neben der Bundesbank haben sich weitere Bargeld-Verfechter zu Wort gemeldet: Der als "Euro-Rebell" bekannt gewordene frühere FDP-Bundestagsabgeordnete Frank Schäffler bezeichnet Bargeld als den "in Münzen geschlagenen Teil unserer Freiheit". Er weist darauf hin, dass die bargeldlose Welt vor allem und besonders für den Staat bequem sei und nicht für die Bürger. Der Staat könne die Bürger besser durchleuchten und noch leichter die Geldmengen ausweiten, wenn der Staat nicht mehr zu finanzieren ist.
 
Alt 15.06.2015, 19:12   #8
Beitrag Weidmann setzt sich für Bargeld ein

Bundesbank-Chef Jens Weidmann hat sich vehement gegen eine Abschaffung des Bargelds ausgesprochen. Auf einem Symposium der Bundesbank in Frankfurt wandte sich er sich gegen Argumente von Ökonomen, die mit einem solchen Schritt die Konjunktur ankurbeln wollen. Weidmann unterstrich dagegen, jeder solle in der Form bezahlen können, die er bevorzuge.

Vor dem Hintergrund der extrem niedrigen Leit- und Kapitalmarktzinsen hatten sich zuletzt einige Volkswirte dafür ausgesprochen, Scheine und Münzen abzuschaffen, etwa der Wirtschaftsweise Peter Bofinger und der US-Ökonom Kenneth Rogoff.

Dahinter steht unter anderem die Idee, Notenbanken könnten dann Geschäftsbanken und diese in der Folge ihren Kunden Zinsen für die Guthaben abverlangen. Geld zu horten könne so weniger attraktiv werden - wodurch Anreize für Investitionen und mehr Konsum gegeben würden. Insgesamt würde damit die Geldpolitik der Notenbanken wirksamer, lautet das Argument.

Aus Weidmanns Sicht steht dieses allerdings auf tönernen Füßen. Eine der wesentlichen Ursachen des momentanen Niedrigzinsumfelds liege im flauen Wirtschaftswachstum vieler Volkswirtschaften. "Wenn also die Wachstumsschwäche den Kern des Problems darstellt, dann gilt es, diese Schwäche zu überwinden, anstatt kühne Akrobatik in der Form zu betreiben, das Bargeld abschaffen zu wollen", sagte Weidmann.

Zu den Ursachen der Konjunkturflaute gehöre die demografische Entwicklung in vielen Staaten. Für die Eurozone nannte er als weitere Faktoren die sehr hohe Staatsverschuldung und die damit einhergehende starke Steuerbelastung. "Hinzu kommt sicherlich in vielen Euro-Ländern auch die hohe private Verschuldung", sagte Weidmann. Diese Faktoren können seinen Worten zufolge auch mit einer noch expansiver ausgerichteten Geldpolitik nicht beseitigt werden.



Jens Weidmann ist ein deutscher Volkswirt. Er wurde am 1. Mai 2011 zum bis dahin jüngsten Präsidenten der Deutschen Bundesbank ernannt und ist Vorstandsmitglied der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in Basel.



Bild: © European Central Bank
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Alt 17.06.2015, 10:57   #9
Wobei man dazu sagen muss, dass das Statement von Herrn Thiele zum Bargeld nicht lange auf sich warten ließ. Dazu gab es ja auch eine Studie, dass Bargeld nach wie vor hierzulande das beliebteste Zahlungsmittel ist.

Die Grundaussage von Herrn Thiele liest sich zumindest erfrischend ideologiefrei.
 
Alt 20.06.2015, 14:17   #10
Beitrag Banken: Bargeld auch noch in 50 Jahren

Trotz immer neuer Bargeld-Alternativen haben Münzen und Scheine aus Sicht der Banken in Deutschland noch eine lange Zukunft. "Der Anteil der Bar-Transaktionen wird zurückgehen", sagte der Hauptgeschäftsführer des Bankenverbands, Michael Kemmer. "Aber es wird auch in 50 Jahren noch Bargeld geben."

Nach einer Umfrage des Digitalwirtschaftsverbands Bitkom bezahlen 96 Prozent der Bundesbürger an der Ladenkasse in bar, immer mehr nutzen demnach aber auch die Debitkarte (82 Prozent), Kreditkarten (35 Prozent) und das Handy (10 Prozent).

"Bargeld verursacht für die Banken nicht unerhebliche Kosten für Sicherheit, Lagerung und Transport. Aber wir machen das, was unsere Kunden wünschen", sagte Kemmer. Tendenzen zur Abschaffung würden in Deutschland nicht goutiert.

Mehr als die Hälfte der Umsätze im Laden werden immer noch bar abgewickelt, der Abwärtstrend hat sich nach Zahlen der Deutschen Bundesbank in den vergangenen Jahren sogar etwas verlangsamt.

Die Banken vermuten, dass die Kunden auch ihre Autonomie wahren wollen. "Wenn ich nur noch mit Karte zahlen könnte, hätte ich das Gefühl, jeder kann meine Ausgaben nachvollziehen", sagte Kemmer. "Das ist wahrscheinlich irrational, aber ich glaube, ich bin da nicht untypisch. Die Deutschen lieben ihr Bargeld, das ist sicherlich eine deutsche Eigenheit."


Michael Kemmer (* 30. April 1957 in Nördlingen) ist ein deutscher Manager. Er ist seit 1. Oktober 2010 Hauptgeschäftsführer und Vorstandsmitglied des Bundesverbandes deutscher Banken in Berlin.


Bild: © Bundesverband deutscher Banken
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